Die historische Barockorgel in der Leechkirche

Am 20. Jänner 2013 wurde in einem festlichen Gottesdienst die historische Barockorgel in der Leechkirche durch Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari geweiht.

 

Nach 80 erklang bei der Weihe am 20. JAN 2013 erstmals wieder die historische Barockorgel in der Leechkirche. Entstanden 1773 als Werk des steirischen Orgelbaumeisters Franz Xaver Schwarz wurde ihr Spieltisch wahrscheinlich mit dem Bau einer neuen Orgel an der Rückwand der Kirche 1932 durch den Orgelbauer Hopferwieser entfernt. Seitdem war sie nicht mehr bespielbar, ein Großteil des originalen Pfeifenmaterials der auch optisch sehr eindruckvollen Brüstungsorgel blieb allerdings erhalten. Durch den Orgelbaumeister Wolfgang Karner (Haderswörth) wurden umfassende Reinigungs- und Restaurierungs- sowie sensible Ergänzungsmaßnahmen getroffen. Die Restauratorin Erika Thümmel hat mit ihrer Werkstatt den Prospekt, die prächtig marmorierte Konsole und die Engelputti aus dem Umkreis des bedeutenden steirischen Barockbildhauers Veit Königer in ihrer originalen Fassung wieder hergestellt.

Finanziert wurden die Renovierungsmaßnahmen aus Subventionsmitteln des Landes Steiermark, der Stadt Graz, des Bundesdenkmalamtes sowie großzügigen Privatspenden. Getragen wurden die Finanzierungsbemühungen von KHG-Community-Förderverein der KHG Graz und der Grazer Dompfarre. Allen Spenderinnen und Spendern sagen wir ein herzliches Vergelt´s Gott!

Die Orgelbauerfamilie Schwarz in Graz

Mit Jakob Hägglinger beginnt im 17. Jahrhundert in Graz eine bis 1810 dauernde ununterbrochene Orgelbauertradition. Ab 1687 arbeitet er im Eggenberger Weisseneggerhof, heute Hans-Resel-Gasse Nr. 3 bis zu seinem Tode 1699. Ihm folgt unmittelbar Andreas Schwarz aus Tirol kommend nach, der 1709 in das heutige Haus Idlhofgasse Nr. 17 übersiedelt. Hier arbeitet nach Andreas Tod im Jahr 1734 sein Sohn Ferdinand erfolgreich weiter (✝ 1773). Erst Franz Xaver Schwarz übersiedelt in das Haus Strauchergasse Nr. 28 und betreibt hier seine Werkstatt bis 1810. Andreas Schwarz setzt in Graz den Grundstein des barocken Orgelbaus, wenngleich seine frühen Gehäuse mit Spitzenbogenprospekten noch gotische Elemente zeigen. Der Arbeitsradius erstreckt sich auf die Steiermark, Ostkärnten und die slowenische Steiermark, unter Ferdinand Schwarz auch nach Westungarn und unter Franz Xaver Schwarz vor allem auf die evangelischen Toleranzkirchen des späten 18. Jahrhunderts im heutigen Südburgenland.

 

Ein einzigartiges Klangerlebnis: Zur Wiedereinweihung der restaurierten Schwarz-Orgel

Wer bis vor kurzem die Gelegenheit hatte, die Orgel in der Leechkirche nicht nur vom Kirchenraum aus zu betrachten, sondern auf der Orgelempore einen Blick hinter die Fassade zu werfen, dem bot sich ein trostloser Anblick. Das Orgelgehäuse war leer, die Windlade lag unter einer dicken Staubschicht und dort, wo früher der Spieltisch stand, war ein provisorisch zusammen gezimmerter Bretterverschlag. Dem allen zum Trotz befindet sich in der Leechkirche ein ganz besonderes Kleinod.

Es ist, nach der Orgel in der Schlosskirche Eggenberg, das zweitälteste erhaltene Instrument in der Stadt Graz. Die Schwarz-Orgel aus dem Jahr 1773 wurde wahrscheinlich 1932, als Hopferwieser eine neue Orgel mit 14 Registern auf 2 Manualen und Pedal einbaute, stillgelegt. Rückblickend erweist sich das sogar als Glücksfall. Wenn auch Spielanlage und Bälge der Schwarz-Orgel verloren sind und rekonstruiert werden müssen, so sind doch 3/4 des originalen Pfeifenbestandes weitgehend unverändert erhalten geblieben (das historische Pfeifenmaterial wurde im Zuge der Renovierung der Leechkirche in den 1990er Jahren entnommen und im Keller des Priesterseminars gelagert).

Über den Erbauer der Orgel ist wenig bekannt. Franz Xaver Schwarz (+ 1810) repräsentiert die dritte und letzte Generation dieser Grazer Orgelbauerfamilie nach seinem aus Tirol stammenden Großvater Andreas Schwarz (+ 1734) und seinem Vater Ferdinand Schwarz (+ 1773). Schwarz-Orgeln findet man im gesamten damaligen südösterreichischen Raum, d.h. in den Bundesländern Burgenland, Kärnten und der Steiermark, in Kroatien und Slowenien.

Eine großzügige private Spende ermöglichte, im Herbst 2009 die Restaurierung und Rekonstruktion der Orgel in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit in Angriff zu nehmen. Dank weiterer privater Spenden, sowie Subventionen seitens der Stadt Graz, des Landes Steiermark und des Bundesdenkmalamtes konnte im Herbst 2010 Orgelbaumeister Wolfgang Karner (Haderswörth) mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt werden.

Da die Orgel über Jahrzehnte unspielbar war, präsentiert sich heute das Pfeifenmaterial in einem, wenn auch sanierungsbedürftigen, so doch weitgehend unveränderten Zustand. Während seines Dornröschenschlafs blieb es verschont von gut gemeinten Restaurierungsversuchen bzw. Anpassung an die jeweils aktuelle Klangästhetik. Daher können wir ein unverfälschtes spätbarockes Klangbild erwarten. Darüber hinaus waren an der Rückwand des Orgelgehäuses noch genügend Spuren zu entdecken, um Rückschlüsse auf die Anordnung und Größe der zu rekonstruierenden Spielanlage und der Bälge zu ziehen.

Lange Zeit wurden historische Musikinstrumente als etwas Beschränktes empfunden, das einer Weiterentwicklung, Modernisierung oder Vergrößerung bedarf. Aus diesem Grund sind original erhaltene Orgeln v. a. im städtischen Raum (nicht nur in Graz) eine Ausnahme. Auch heute noch wird die Frage, ob ein historisches Instrument liturgietauglich sei, gestellt. Darauf kann man nur mit einem eindeutigen „Ja“ antworten. Als Organist ist man mit der Tatsache vertraut, dass zwischen jeder Orgel bauliche und klangliche Unterschiede existieren. So wie man ein Konzertprogramm auf jeder Orgel neu einregistrieren, bisweilen sogar den Notentext „arrangieren“ muss, ist es auch erforderlich, die in der Liturgie gespielte Musik – beginnend mit dem Gemeindegesang – für das jeweilige Instrument einzurichten. Wer sich darauf einlässt, wird bald feststellen, dass den Einschränkungen, die einem ein historisches Instrument auferlegt, ein schier unerschöpfliches Feld an Möglichkeiten, bedingt durch den charakteristischen und unverwechselbaren Klang einer historischen Orgel, gegenüber steht.

Möge die restaurierte Orgel in der Leechkirche eine Bereicherung für die gefeierten Liturgien sein und eine vielfältige Verwendung als Konzert- und Unterrichtsinstrument finden.

Christian Iwan (Domorganist)

 

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Homepage Diözese-Graz-Seckau/Sonntagsblatt >

Kleine Zeitung Graz, Freitag 18. JAN 2013, Seite 29 >

Predigt Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari >




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